Gegen den Schmerz

Schmerzen stellen ein alltägliches Problem in der Versorgung kranker Kinder dar. Oft ist es schwer zu beurteilen, unter welchen Schmerzen ein Kind leidet und wie stark diese Schmerzen sind. Das Schmerzmanagement bei Kindern ist eine besondere Herausforderung. Herzenswünsche e.V. hilft Kinderkliniken, die ein Schmerzteam aufbauen wollen.

Das Schmerzteam des Dr. von Haunerschen Kinderspitals (v.l.): Privat-Dozentin Dr. Martina Heinrich, Dr. Jörg Hermann, Privat-Dozent Dr. Florian Hoffmann und Sabine Lubner-Langener.

In der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München geht man neue Wege im Umgang mit dem Schmerz der Kinder. „Wir wollen mit unserem Projekt einen ganzheitlichen Ansatz in der Schmerztherapie umsetzen und die Schulmedizin um alternative Strategien ergänzen. Damit setzen wir im Akutbereich das ein, was sich auch in der chronischen Schmerztherapie bewährt hat", sagt Privat-Dozentin Dr. Martina Heinrich. Seit einigen Monaten ist im Haunerschen deshalb ein Schmerzteam im Einsatz. Es unterstützt und schult Ärzte und Pflegende. Neben einer guten medikamentösen Schmerztherapie werden unterstützend etwa Akupunktur und Akupressur sowie medizinische Hypnose eingesetzt.

Dr. Martina Heinrich und ihr Team stecken viel Herzblut in das Schmerzprojekt, das sich allein aus Spenden finanzieren muss. Ganzheitliche Schmerztherapie wie man sie im Dr. von Haunerschen Kinderspital versteht, steht nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen. Was der Schmerz für ein Kind bedeutet und wie man ihm begegnen kann, zeigt eindrucksvoll ein Kurzfilm, der mit Hilfe von Herzenswünsche e.V. produziert wurde. Gundula Schmid, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins: „Auch wir wollen einen Beitrag dazu leisten, bundesweit Schmerzteams in den Kinderkliniken zu etablieren, indem wir beispielsweise die Aus- und Weiterbildung von Klinikpersonal zu Schmerztherapeuten finanzieren." 

Ablenkung funktioniert

Blut abnehmen, einen Verband wechseln, einen Katheter oder die Infusionsnadel setzen – es gibt so viele Situationen, vor denen sich Kinder und Jugendliche im Krankenhaus fürchten und die leider mehrfach durchgeführt werden müssen. Je jünger die Patienten sind, umso „ausgelieferter fühlen sie sich", weiß Dr. Heinrich, „Angst und Stress verstärken dann den Schmerz. In der Schulmedizin setzten wir als bewährte Therapie Medikamente ein, um dem Schmerz zu behandeln. Schmerzwahrnehmung und somit auch die Behandlung von Schmerzen sind aber ganzheitlich zu betrachten."

Es gibt neben den Medikamenten andere erfolgreiche Techniken, die unterstützend sein können. „Der Schmerz kann im Gehirn durch Ablenkung, die möglichst viele Sinne anregt, quasi ausgeschaltet werden. Dazu lenken wir die Aufmerksamkeit um", erklärt die Schmerzexpertin.

Medizinische Hypnose

Ablenkung sei aber kein Austricksen oder gar Täuschung, betont Dr. Heinrich: „Imagination bis hin zur medizinischen Hypnose sind sehr wirkungsvoll. Bei einer Blutentnahme kann ein imaginärer Zauberhandschuh, der dem Kind vorab mit ausgesuchten, schützenden Worten angezogen wird, helfen, dass der Schmerz beim Eindringen der Nadel in die Vene nicht mehr stört. Im Unterbewusstsein des Kindes wird mit der Geschichte des schützenden, imaginären Handschuhs ein Bild aufgebaut. Diese Fokussierung schaltet das Schmerzempfinden aus. Und das klappt – übrigens auch bei Erwachsenen."

In dieser Kiste stecken unzählige Strategien und Techniken, um das Kind während einer schmerzhaften Untersuchung abzulenken.

Ganz wichtig: Kommunikation

„Wer gegenüber Kindern die Situation herunterspielt, von tapferen Indianern erzählt, die keinen Schmerz kennen, oder gar das Kind anlügt – ‚Hab keine Angst, das tut nicht weh, das geht jetzt ganz schnell' – der nimmt seinen Patienten nicht ernst", sagt Dr. Heinrich mit Nachdruck. „Wir erklären und umschreiben während der Maßnahme ohne angsteinflößende Worte wie stechen oder spritzen die Situation. Wenn ein Kind fragt, ob es weh tun wird, dann muss ich ehrlich bleiben, aber dem Kind auch sagen: ‚Wir helfen dir und zeigen dir, wie du erfolgreich da durchgehen kannst.' Wir dürfen Kinder nicht unterschätzen."





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